More than Lucky
Gestern war Samstag und meine Mitbewohnerin Alma hatte schon vor einiger Zeit den Vorschlag gemacht, mal zu einem Pferderennen auf den Royal Randwick Racecourse zu gehen. Der liegt mitten in Sydney und dieses Wochenende sollte dort eines der Grossereignisse der australischen Pferdeszene stattfinden. Und es ist hier nicht nur ein 08/15 Ereignis wie in Deutschland, sondern in etwa so, wie man es aus England kennt: hochgestylte Damen in schicken Kleidern, modische Herren in schwarzen Anzuegen und (nicht zu vergessen) der extravagante Kopfschmuck, der auf keinem Frauenkopf fehlen durfte. Und der Kreativitaet sind dabei wirklich keine Grenzen gesetzt: eingesteckte Pfauenfedern, Huete mit Netz vor dem Gesicht oder einfach nur ein ganzes Blumengesteck im Haar. Tja, ueber Geschmack laesst sich bekanntlich nicht streiten, oder!?Gewettet wurde natuerlich auch (na gut, ich hab mich diesmal rausgehalten, aber ich hatte ja 4 wettbegeisterte Begleiter) - fuer insgesamt 9 Rennen hatten die Buchmacher Wetten parat. Meistens gewann dann der Favorit, aber auch der ein oder andere Ausenseiter schaffte es unter die Top 3. Besonders augenscheinlich wurde das im letzten Rennen.
Nachdem Alma und ihre Freunde schon einige blaue Scheine (keine Angst, dass sind hier "nur" Zehner) verzockt hatten, lachte sie vor dem 9. Rennen der Starter More than Lucky aus dem Racebook an. Allerdings waren wir uns natuerlich in keinster Weise sicher, da auch unsere vorherigen Tipps nicht gerade von Erfolg gekroent waren. Deshalb musste es diesmal die "Platzwette" (also unter die ersten 3 zu kommen) sein. Nur einer hatte den Mut, auf einen Gewinn von Startnummer 8 - die hatte unser Held - zu setzen, um sich damit die volle Quote von 42.5 : 1 zu sichern. Das Rennen lief, die Leute sprangen auf und feuerten ihren jeweiligen Favoriten an (und ich dachte das gibt es nur bei Sportarten, wo Menschen die Hauptakteure sind), und man versuchte so gut es ging auf der gegenueberliegenden Leinwand den Ausgang des Rennens zu erkennen. Danach noch eine halbe Minute bangen, da die Nummer des Siegerpferdes verdeckt war, und dann war klar: More than Lucky hatte es geschafft. Auf scheinbar der gesamten Tribuene machte sich Enttaeuschung breit, weil damit keiner gerechnet hatte, nur bei unserer Gruppe war die Stimmung ausgelassen. Insgesamt rund 500 Dollar Gewinn hat dieser Tipp gebracht. Unnoetig zu erwaehnen, dass sie vorher schon fast genauso viel verzockt hatten - aber das war egal, denn mit diesem euphorischen Gefuehl konnten sie nun einem entspannten Abend entgegensehen.Es war ueberhaupt faszinierend zu sehen, welche Mengen an Geld dort bei den Wettanbietern gesetzt wurden. Allein beim staatlichen Wettbuero (dazu gab es noch ein Dutzend private) wurden pro Rennen bis zu AUS$1.000.000 nur auf Siegerwetten plaziert. das sind bei 30.000 Zuschauern also gut 30 Dollar pro Person. Wahnsinn! Und da sind noch die ganzen armen Studenten wie ich (kleiner Scherz) mitgerechnet, die sich solche Wetten nicht leisten koennen ... ich koennte an dieses Stelle meine Kontonummer angeben, aber ich glaube das wuerde Euch nur ein mildes Laecheln abringen ;-)
Jedenfalls war es eine interessante Erfahrung, mal (wieder) bei einem solchen Ereignis dabei gewesen zu sein - zumal mein letzter Besuch etwa 20 Jahre zurueckliegt und in Berlin-Hoppegarten stattfand. Vielleicht sind es auch die schlechten Erinnerungen an damals, die mich vom Wetten abgehalten habe - dort ist bei meinem Wettversuch das auserwaehlte Pferd kurz nach dem Start gestuerzt und das Ersatzpferd (kleine Kinder neigen dazu in solch einem Moment von der Traurigkeit uebermannt zu werden, deshalb wurde mit schnell ein anderer Wettschein mit einem anderen Pferd gegeben) kam dann als letztes ohne Reiter ins Ziel. Also, da war die Alma diesmal wohl wirklich More than Lucky ...


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