Basti's Sydney News

Sunday, October 22, 2006

Mal was anderes ...

... dachte ich mir. Schreib doch mal ein wenig ueber das australische Verkehrssystem. Fragt man danach die Einheimischen hier, winken die meisten nur ab. Alles wird mit dem Auto oder Flugzeug erledigt, die Stadt ist nicht gerade der ideale Platz fuer alternative Fortbewegungsmittel wie Fahrraeder und die Zuverlaessigkeit des oeffentlichen Nahverkehrs ... naja, reden wir nicht drueber - oder doch. Ganz kurz! Damit hatte ich naemlich die ersten Wochen am meisten zu kaempfen. Kommt man aus Deutschland ist man es gewoehnt an der Bushaltestelle auf den Fahrplan zu schauen und zur entsprechenden Zeit dort zu erscheinen. Entgegen vieler Vorurteile, tun das die Busse dann meistens auch (zumindest in Good ol' Germany). Hier laeuft das alles etwas anderes. Hat man an einem verlassenen bus stop erstmal voller Erwartung den ersten Bus erspaeht und sieht ihn dann kurze Zeit spaeter an einem vorbeibrausen, lernt man die erste Lektion: Busse sind hier mit Handzeichen darauf aufmerksam zu machen, dass man mitfahren moechte. Soweit so gut - waeren da nicht die Nachtzeiten, zu denen der Busfahrer schon gerne mal mit leicht ueberhoehter Geschwindigkeit die Ueberholspur entlangprescht und entschuldigend die Schultern hebt, wenn er einen potentiellen Fahrgast zu spaet am Strassenrand aufgeregt winken (und spaeter auch schimpfen) sieht. Die zweite Lektion ist dafuer schwerer zu erlernen (und zu begreifen): Kommt man 10 Minuten vor der angegebenen Abfahrtszeit des Busses an der Haltestelle an (der Deutsche an sich ist da ja eher immer auf der sicheren Seite), kann man sich keinesfalls sicher sein, dass der Bus nicht schon weg ist. Das ist besonders aergerlich, wenn nur einer pro Stunde faehrt und der naechste dann nach Murphy's law mindestens eine Viertel Stunde zu spaet kommt. Ihr koennt mir glauben, das haben hier alle Neuankoemmlinge durchgemacht ... Man lernt relativ schnell, dass man einfach nur auf Strecken faehrt, die zu vielen verschiedenen Zeiten von moeglichst vielen verschiedenen Linien bedient werden. Dann fallen kleinere Unzulaenglichkeiten nicht so sehr ins Gewicht ... ;-)


Sehr zuverlaessig hingegen sind die Zuege die, im uebrigen auch genau vor meinem Fenster (6-spurig!), durch Sydney brausen. Zum Beispiel brauche ich aus Stanmore nur 12 Minuten und bin am Circular Quay (dort wo die Oper zu Hause ist). Am Wochenende und zu den off-peak hours kann man sein Fahrrad umsonst mitnehmen und die Preise sind fuer mich auch ueberschaubar. Es gibt naemlich Studentenermaessigung :-) Dabei hatte ich Glueck, dass ich die ueberhaupt bekomme, denn Student ist nicht gleich Student. Auslaender zahlen generell den Erwachsenenpreis und sind deshalb schon ziemlich im Nachteil (das man 3-fache Studiengebuehren zahlt, faellt da nicht weiter ins Gewicht). Ich bin jedenfalls sehr zufrieden!

Neben dem Sydney Nahverkehr (der sich immerhin auch von Nord nach Sued auf 100km erstreckt) gibt es auch noch wenige Fernzuege. Im Norden nach Newcastle und weiter nach Brisbane, im Sueden Wollongong und im Suedwesten/Westen Melbourne, Canberra und Blue Mountains. Im Vergleich zu Deutschland sind die Preise spitze. Zum Beispiel zahlt man als Student (da gilt auch der internationale Studenten-ausweis) von Sydney nach Melbourne nur AUS$ 73 - etwa 43 Euro. Unschlagbar! Das sind immerhin 11 Stunden Fahrt - ok, es ist kein ICE, aber Zug ist Zug und Hauptsache man kommt an, oder? Juliane und ich sind die Strecke nach Canberra im InterCity gefahren und fanden es sehr angenehm. Als kleinen Bonbon macht es einem CountryLink - der Betreiber - auch besonders einfach eine Zeit auszuwaehlen, denn zwischen Sydney und der Hauptstadt verkehren pro Tag nur ein bzw. zwei Zuege. Dazu muss man noch sagen, dass unserer drei Waggons hatte ... daran sieht man schon, dass der Andrang nicht sehr gross ist! Ueberrascht hat uns dann nur der "Hauptbahnhof" von Canberra (siehe Photo links). Als Vergleich sage ich mal Porstendorf/Straussberg-Nord/Porz-Wahn ... jeder suche sich das raus, was er kennt. Aber es ist ja angeblich die schoenste Hauptstadt der Welt - so war es zumindest geplant - die braucht dann auch einen repraesentativen Bahnhof ... ;-)

Central Station in Sydney ist dagegen ein schoener alter Kopfbahnhof (siehe zweites Bild oben). Ein bisschen wie Leipzig, bloss natuerlich kleiner und weniger busy. Er liegt direkt am suedlichen Ende des Central Business District (CBD) und von hier aus schwirren die Busse und Zuege in alle Himmelsrichtungen aus. Ein paar interessante Details kann man hier auch finden (siehe Bild unten) - man sieht daran, dass die Australier ein Gespuer fuer die Probleme der Menschen haben. Wenn man also von seinem schreienden Plagegeist zu viel hat, geht man einfach durch diese Tuer und tauscht ihn um. Allerdings muss ich alle zu Hause, die jetzt gleich einen Flug buchen wollten, daran erinnern, dass man natuerlich nur Babys zurueckbekommt, die Englisch sprechen ... kleiner Scherz ...



Soviel fuer heute. Das Wetter ist derzeit nicht dazu angetan grosse Dinge zu unternehmen. Die Temperaturen schwanken zwischen grandiosen 37 Grad letzte Woche bis zu 12 Grad gestern. Ich hoffe das stabilisiert sich mal (im oberen Bereich natuerlich). Naechste Woche kommt mein Chef von seiner Europatour wieder und da ich letzte Woche endlich mein schon ewig waehrendes Problem loesen konnte, erwarte ich interessante Diskussionen (so hat er es mir angekuendigt) und wesentliche Fortschritte fuer die naechsten Wochen ... Ihr seht, alles bestens!!!

Euer Basti


P.S.: Ein kleines Beispiel, was ich so programmiere ... auch wenn das jetzt (fast) keinem was sagt ... egal, sieht schoen aus :-)


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